Aer Dir vir an den Minette
Französisch Französisch
Englisch Englisch

Empfang
Über uns
Übersicht
Tourismus
Geschichte
· Allgemein
· Personen
· Stätten
· Ereignisse
· Grossregion
Literatur
Wissenschaften
Veranstaltungen
Service
Vereine
Kontakt
Links
> Empfang > Geschichte > Personen > Jean Schortgen

Jhang SCHORTGEN
1880-1918


Der Autodidakt

eignete sich ein Wissen an, das seine politischen Gegner immer wieder verblüffte. Autodidakten hatten und haben es immer schwer, denn oft werden Wissen und Können ohne Diplom belächelt und nicht anerkannt. Warum eigentlich? Wieviel schwerer muss es zur Zeit des jungen Schortgen erst gewesen sein, diesen beschwerlichen Weg zu beschreiten. Doch er hatte früh eingesehen, dass es mit Wichtigtuerei allein nicht getan sei und darob gebot ihm seine angeborene Intelligenz diesen Weg. Er besorgte sich Bücher und Schriften aus dem Ausland, las und verstand, ohne höhere Schulbildung, Richtiges von Falschem zu unterscheiden und er bemühte sich zeitlebens, sein Wissen an seine Mitstreiter weiterzugeben. In Kreisen der -sogenannten Intellektuellen -wurde er als nicht würdiger Eindringling in deren bisher geschützten Zone angesehen. Doch das ficht Schortgen wenig und die nicht wenigen Versuche, ihn lächerlich zu machen konterte er wie folgt: "Ich bin zwar nur ein simpler Arbeiter, aber ich habe meine Mussestunden verwendet, um einen Blick in die Weltgeschichte zu werfen und lasse mir heute nichts mehr erzählen, was nur diesen Herren gefällt."

Aber dass seine Lokalgenossen und seine Freunde von ihm sagten: " Er kann lesen, schreiben und reden" das erfüllte ihn mit Stolz und mit Genugtuung.

Doch der Autodidakt war sich schnell bewusst, dass das tägliche Leben sich nicht von der Politik trennen lasse und so begann er, sich auch in diesem Bereich weiter zu bilden. Doch ein jeder, der auch nur ansatzweise den Weg des Autodidakten einmal beschritten hat, muss sich die Frage stellen: "Wie hat dieser einfache Mann es fertig gebracht, sich so ein umfassendes Wissen anzueignen?"

Der Politiker

Die Zeichen der Zeit hatte Schortgen schon in jungen Jahren erkannt und darum war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich den Dr. Welter, Brasseur und Spoo anzuschliessen, als diese um die Jahrhundertwende, die Sozialdemokratische -Partei gündeten. Schortgen gründete in Tetingen eine Lokalsektion und übernahm im Laufe der Jahre eine dominierende Rolle in der Partei. Seine Referententätigkeit ging weit über das Kayltal hinaus und seine Versammlungen glichen in der Mehrzahl sozialpolitischen Seminaren. 1905 wurde Schortgen zum Mitglied der Parteileitung gewählt und er übernahm 1908 den Parteivorsitz. Zu dem Zeitpunkt war die Sozialdemokratie, infolge einer Zersplitterung sehr geschwächt. Der Präsident versuchte unablässig, die Scherben wieder zu kitten, doch dies gelang ihm erst im Jahre 1912. Schortgen war auch 1917 noch Vorsitzender. Die Partei hatte sich ziemlich nach links entwickelt und nannte sich -Sozialistische Partei -. Der Politiker bezeichnete sich selbst zwar als -antiklerikal -, doch Revolutionär wollte er nicht sein. Er vertrat den Grundsatz: "Es gilt erst einmal das Naheliegende zu erreichen und dann darauf aufzubauen."

Seine politisch-gemässigte Veranlagung führte dazu, dass er selbst in den eigenen Reihen ziemlich umstritten war, sehr wohl zu seinem eigenen Leidwesen und zum Genuss und zur Schadenfreude im gegnerischen Lager. Mitunter wurde Jhang sogar als Kapitalistenknecht geschmäht und das total zu Unrecht. Zwei Zeitgenossen schreiben in diesem Zusammenhang: " Schortgen hielt den Kapitalismus für den Erbfeind und es ist eine Beschimpfung diesen edlen, reinen Menschen, wenn einer behauptet, er habe je mit dem Kapitalismus paktiert oder sich von ihm vereinnehmen lassen. Er war so unabhängig, denn er hing nur von der Arbeit seiner Hände ab." "Tout au long de sa vie politique et syndicale Jean Schortgen apparaît comme un homme indépendant, qualité rare dans la vie publique."

Was an Schortgen aufgefallen ist, war sein unbändiger Einsatz und sein Durchstehvermögen. Er erlebte den Niedergang der Partei, den Kriegsausbruch, die grosse Misere der Arbeiter-Bevölkerung, die Anfeindungen aller Art und trotz allem gab er nie auf. Er liess sich weder vom System noch von den Gegnern unterkriegen. Die Arbeiterbewegung war sein Leben.

Der Gewerkschaflter

Schortgen war von der ersten Stunde an ein militanter Arbeiter, der sich neben der Politik, auch gewerkschaftlich engagierte. Er war dabei als die Grubenarbeiter sich in Hilfsorganisationen zusammenfanden. Er war dabei als wenig später Sektionen der deutschen Metallarbeitergewerkschaften im Süden des Landes gegründet wurden mit dem Zweck, das Schicksal der Schaffenden und ihrer Familien, durch Solidaritätsaktionen zu mildern.

Er war dabei als die ersten Konsumgenossenschaften ins Leben gerufen wurden, die ihrerseits zum Zweck hatten, lebenswichtige Konsumartikel billig oder auf Raten, an die vom Kapitalismus Ausgebeuteten, weiterzugeben.

Schortgen war aber auch dabei, als am 27. August 1916 der Luxemburger -Berg -und Hüttenarbeiter -Verband gegründet wurde. Er gehörte zu denen, welche die Gründung des BHAV nicht als eine Konsumentenorganisation verstanden, sondern ihm war klar, dass der neue Verband sowohl die Lohnfrage, wie auch die Frage der Repräsentativität gegenüber dem Patronat, zu behandeln habe. Er wusste genau, dass nur eine starke Gewerkschaft diese Rolle und Aufgabe übernehmen konnte. Schortgen ging in dem -Verband -mit viel Mühe und Geduld seinen Weg. Im Jahre 1917 trat er dem Tetinger Sektionsvorstand bei und wurde am 27. Januar 1918 in den Verwaltungsrat des BHAV gewählt, obwohl gelegentlich des Streiks vom Juni 1917, aus politischen Motiven heraus, eine heftige Polemik um ihn entbrannte. Dem verantwortungsbewussten Gewerkschafter war der Streik ungenügend vorbereitet. Er sprach sich prinzipiell gegen einen Streik zu dem Zeitpunkt aus; doch nachdem derselbe mehrheitlich beschlossen war, stand er ständig an der vordersten Front inmitten seiner streikenden Arbeitskollegen. Leider behielt Schortgen mit seinen prinzipiellen Einwänden recht. Der Streik ging verloren und warf die junge Gewerkschaftsbewegung um Jahre zurück, abgesehen von den drakonischen Massnahmen, welche das Patronat mittels schwarzer Listen, gegen die Arbeiterschaft in die Wege leitete.


Vorherige Seite
Vorherige Seite
Seitenanfang
Seitenanfang
Nächste Seite
Nächste Seite


Empfang  Über uns  Übersicht  Tourismus  Geschichte  Literatur  Wissenschaften  Veranstaltungen  Service  Vereine  Kontakt  Links 

Letzte Aktualisierung am 21. Dezember 2008