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Der Abgeordnete
Jhang Schortgen war der erste Abgeordnete welcher dem Arbeiterstand
entstammte. Ein Historiker formuliert diese Tatsache wie folgt: "
Le voilà, le premier ouvrier à entrer dans la chambre, au bout de 75
années de parlementarisme luxembourgeois."
Sein frühzeitiges Wirken und Bemühen im Interesse der Arbeiterschaft des
Kantons Esch, hatten ihn weit über die Grenzen der Ortschaft Tetingen
hinaus populär gemacht und zwar so populär, dass er auf Vorschlag seiner
Parteileitung sich der Wahl vom 9. Juni 1914 für die Abgeordnetenkammer
stellte. In der Stichwahl vom 16. Juni 1914 wurde Schortgen mit 3667
Stimmen in die Abgeordnetenkammer gewählt, zur grossen Freude vieler
Tetinger und zur grossen Freude der ganzen Luxemburger-Arbeiterschaft.
Dieser Wahlerfolg war nicht nur das Resultat einer bestimmten
politischen Konjunktur, sondern auch das Resultat einer Entwicklung
innerhalb der sozialistischen Partei Luxemburgs. Zwischen den Liberalen
und den Demokraten bestand der -sogenannte Block-, d.h. ein
Wahlabkommen, laut dem die beiden Parteien sich die Sitze teilten.
Dieses Abkommen gründete auf einer Politik, die als Hauptziel die
Eindämmung des klerikalen Einflusses im öffentlichen und privaten Leben
Luxemburgs hatte.
Für die politische Laufbahn Schortgens waren die Folgen seiner
Kandidatur, resp. seiner Wahl, sehr vielschichtig. Nicht nur, dass er
als Abgeordneter in einer besonders schweren Zeit in die Kammer gekommen
war; auch seine Wahl im Rahmen des demokratisch-liberalen Wahlbündnisses
wurde ihm immer wieder vorgeworfen und als Verrat an der Arbeiterklasse
angekreidet.
Mit den Verleumdungen muss es sehr hart und bitter gewesen sein und wie
schon so oft, erfolgte die Rehabilitierung erst nach seinem Tode. Am
offenen Grab hiess es: "Du wurdest von unsern Gegnern ob deiner
Tätigkeit im Interesse der Arbeiterschaft beschimpft und besudelt. Aber
nicht allein von Arbeitgebern, es waren auch Arbeiter selbst, welche bei
unbewusster eigenen Lage, die Sozialdemokratie und auch Dich persönlich
verunglimpften. Doch du hast nie versagt. Du standest immer auf der
Bresche und in dir verliert die Sozialdemokratie, einen ihrer besten
Streiter." Und weiter: "Nun hat sein Tod die
Rehabilitierung gebracht. Die, welche ihn verleumdet haben, mussten vom
Tod die Rehabilitierung einstecken."
Und einer der es besonders schlimm getrieben hatte, sagte in seiner
Grabrede: "Wir wissen wie Schortgen im Interesse der Arbeiter
tätig war, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Wir werden in seinem
Sinne weiterwirken."
So rächt sich die Ehrlichkeit auf Erden und Schortgen konnte keine
bessere Rehabilitierung erhalten, als gerade von seinen früheren
Verleumdern. Schade, dass er es nicht mehr erleben konnte.
Und um seine Tätigkeit als Abgeordneter ins rechte Licht zu rücken,
dürften folgende Sätze genügen: "Wer die Reden
und Zwischenrufe von Schortgen zwischen 1914 und 1918 nachliest, der
merkt wohl, dass er nur von Fragen und über Probleme sprach, die er aus
direkter Erfahrung kannte. Er sagte in seiner einfachen Sprache nur was
er wusste, und weil er wusste, dass es wahr sei. Er hatte nicht wie
seine gewandten Freunde die Fähigkeit, sich über Probleme zu erheben,
sich kühlen Abstraktionen hinzugeben. Dafür war er zu sehr vom Gewicht
der Wirklichkeit belastet."
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