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> Empfang > Geschichte > Personen > Jean Schortgen

Jhang SCHORTGEN
1880-1918


Der Abgeordnete

Jhang Schortgen war der erste Abgeordnete welcher dem Arbeiterstand entstammte. Ein Historiker formuliert diese Tatsache wie folgt: " Le voilà, le premier ouvrier à entrer dans la chambre, au bout de 75 années de parlementarisme luxembourgeois."

Sein frühzeitiges Wirken und Bemühen im Interesse der Arbeiterschaft des Kantons Esch, hatten ihn weit über die Grenzen der Ortschaft Tetingen hinaus populär gemacht und zwar so populär, dass er auf Vorschlag seiner Parteileitung sich der Wahl vom 9. Juni 1914 für die Abgeordnetenkammer stellte. In der Stichwahl vom 16. Juni 1914 wurde Schortgen mit 3667 Stimmen in die Abgeordnetenkammer gewählt, zur grossen Freude vieler Tetinger und zur grossen Freude der ganzen Luxemburger-Arbeiterschaft.

Dieser Wahlerfolg war nicht nur das Resultat einer bestimmten politischen Konjunktur, sondern auch das Resultat einer Entwicklung innerhalb der sozialistischen Partei Luxemburgs. Zwischen den Liberalen und den Demokraten bestand der -sogenannte Block-, d.h. ein Wahlabkommen, laut dem die beiden Parteien sich die Sitze teilten. Dieses Abkommen gründete auf einer Politik, die als Hauptziel die Eindämmung des klerikalen Einflusses im öffentlichen und privaten Leben Luxemburgs hatte.

Für die politische Laufbahn Schortgens waren die Folgen seiner Kandidatur, resp. seiner Wahl, sehr vielschichtig. Nicht nur, dass er als Abgeordneter in einer besonders schweren Zeit in die Kammer gekommen war; auch seine Wahl im Rahmen des demokratisch-liberalen Wahlbündnisses wurde ihm immer wieder vorgeworfen und als Verrat an der Arbeiterklasse angekreidet.

Mit den Verleumdungen muss es sehr hart und bitter gewesen sein und wie schon so oft, erfolgte die Rehabilitierung erst nach seinem Tode. Am offenen Grab hiess es: "Du wurdest von unsern Gegnern ob deiner Tätigkeit im Interesse der Arbeiterschaft beschimpft und besudelt. Aber nicht allein von Arbeitgebern, es waren auch Arbeiter selbst, welche bei unbewusster eigenen Lage, die Sozialdemokratie und auch Dich persönlich verunglimpften. Doch du hast nie versagt. Du standest immer auf der Bresche und in dir verliert die Sozialdemokratie, einen ihrer besten Streiter." Und weiter: "Nun hat sein Tod die Rehabilitierung gebracht. Die, welche ihn verleumdet haben, mussten vom Tod die Rehabilitierung einstecken."

Und einer der es besonders schlimm getrieben hatte, sagte in seiner Grabrede: "Wir wissen wie Schortgen im Interesse der Arbeiter tätig war, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Wir werden in seinem Sinne weiterwirken."

So rächt sich die Ehrlichkeit auf Erden und Schortgen konnte keine bessere Rehabilitierung erhalten, als gerade von seinen früheren Verleumdern. Schade, dass er es nicht mehr erleben konnte.

Und um seine Tätigkeit als Abgeordneter ins rechte Licht zu rücken, dürften folgende Sätze genügen: "Wer die Reden und Zwischenrufe von Schortgen zwischen 1914 und 1918 nachliest, der merkt wohl, dass er nur von Fragen und über Probleme sprach, die er aus direkter Erfahrung kannte. Er sagte in seiner einfachen Sprache nur was er wusste, und weil er wusste, dass es wahr sei. Er hatte nicht wie seine gewandten Freunde die Fähigkeit, sich über Probleme zu erheben, sich kühlen Abstraktionen hinzugeben. Dafür war er zu sehr vom Gewicht der Wirklichkeit belastet."


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Letzte Aktualisierung am 21. Dezember 2008