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> Welcome > History > People > Jean Schortgen

Jhang SCHORTGEN
1880-1918


Der Mann

Von Jhang Schortgen ist gewusst, der er ein einfacher schlichter Mann gewesen ist. Sein aufrechter Gang war von langen schleppenden Schritten gekennzeichnet, dessen Rythmus von den schlenkernden Armen unterstrichen wurde. Schortgen war zwar leutselig, aber nicht allzu gesprächig im Privaten und lehnte alle Geschwätzigkeit strikt ab. Doch wenn er etwas zu sagen hatte oder zum Sprechen aufgefordert wurde, dann redete er mit klarer deutlicher und recht warmer Stimme die es verstand, sich Gehör zu verschaffen. Trotz seiner Kompromissbereitschaft war er eine Kämpfernatur, immer bereit, auch die einfachsten unbequemsten Aufgaben zu übernehmen.

Ein Karrierrist war er auch nicht. Dazu einige Sätze, die er am 21. Dezember 1916 im Parlament sagte: "Machen sie mir keinen blauen Dunst vor. Wenn der eine oder der andere von Ihnen für sein Mandat fürchtet und deshalb die Regierung bei dieser Massregel nicht unterstützen will, ich habe jedenfalls diese Furcht nicht und wenn ich ein nächstes Mal auch nicht wieder gewählt werde, so liegt mir nichts daran, denn ich bin nicht stolz auf mein Mandat. Ich wäre nur stolz darauf, auch wenn ich nicht zurückkommen sollte, dass ich das Bewusstsein hätte, der armen Bevölkerung zu ihrem Recht verholfen zu haben."

Schortgen war ein Mann von seltenem Format, der nie den Rücken bog vor feiler Schar. Herb, treu und wahr.

Der Gatte

Schortgen der auch im privaten Leben die Hypokrisie der bürgerlichen Moral verachtete, lebte jahrelang in eheähnlicher Gemeinschaft mit der aus Rümelingen stammenden Catherine Pobst. Er meinte einmal dazu: " …man wirft mir vor eine Haushälterin zu haben. Gewiss, aber jeder Pfaffe hat eine Haushälterin und manchmal eine bildschöne, von der es gewöhnlich heisst, es ist meine Cousine." Und ein ander Mal: "… ich wohnte kurze Zeit im Roesertal, von wo ich mich auf klerikalen Druck hin ausquartieren musste." Journalisten schreiben dazu: " Sein intimes Privatleben wurde nicht selten in den Kreis der politischen Debatten hineingezogen und ihm eine Auslegung gegeben, die Pfarrköchinnen gruselte." Und: "Wenn Herr Schortgen sich eine Haushälterin hält, so heuchelt er keineswegs wie fromme Seelen den Tugendheld und heiratet die Frau, die er sich auserkoren hat." Laut Heiratsurkunde No -12/1915 heiratete der 35jährige Bergmann Johann Schortgen am 6. Oktober 1915 die 33jährige Catherine Probst, gebürtig aus Rümelingen.

Der Vater

Diesbezüglich ist bei Schortgen selbst zu lesen: "Ferner warf man mir vor, ich hätte selbst uneheliche Kinder. Ich, der ich selbst durch die Vorurteile der heutigen Gesellschaft, grösstenteils von pharisäerischen, heuchlerischen, frommen Verleumderseelen, bis heute am eigenen Leibe erfahren habe, was es heisst, unehelich geboren zu sein, würde mich schwer hüten, ein Mädchen in eine solche Lage zu setzen mit einem Kind, ohne dass ich die Vaterschaft anerkannt hätte. Solch ein feiger Kerl bin ich nicht. Das überlasse ich anderen." Dem Ehepaar Schortgen-Probst wurden drei Kinder geboren. Die Tochter Marguerite erblickte am 28. Februar 1916 in Tetingen das Licht der Welt. Das Zwillingspaar Jean-Pierre und Henri wurden ebenfalls in Tetingen geboren und zwar am 29. Januar 1918. Demnach knapp drei Monate vor dem Tod des Vaters. Jhang Schortgen sah seinen Sohn Jempy im Alter von 10 Wochen sterben, knapp vor seinem eigenen Tode.

Zu seiner Familie sagte man ihm ins Grab: "Erst in den letzten Jahren, wo Du Dir eine Familie gegründet hattest, wo Du Dir eine liebende Frau angeschafft und Du jetzt Kinder Dein Eigen nanntest, da hat sich Dein Dasein ein wenig erhellt und wie froh und innig klangen Deine Worte, besonders wenn Du von Deinen Kindlein sprachst. Doch es war Dir nicht vergönnt längere Zeit für Deine Frau und Deine Kinder leben und schaffen zu können."

P.S.

Catherine Probst, die Witwe von Jhang Schortgen verliess mit ihren Kindern am 2. November 1920 ihre Wohnung in Tetingen und zog nach Fels um. Durch Vermittlung eines Freundes ihres Gatten konnte sie dort ein bescheidenes Eigenheim erwerben. Nach den Gründen des Fortziehens aus Tetingen später befragt, sagte Marguerite Classen-Schortgen: " Meine Mutter wollte nicht mehr in Tetingen bleiben, wollte aber auch nicht mehr nach Rümelingen zurück. Dafür hat es zwei Gründe gegeben: Zum einen wollte sie etwas Abstand nehmen, denn sie war stolz auf meinen Vater, sie war stolz darauf, dass man seiner so intensiv gedachte und ihm sogar ein Denkmal gesetzt hatte. Zum andern war sie tief enttäuscht, ja sie fühlte sich vom Freundes-und Bekanntenkreis meines Vaters einfach im Stich gelassen. Das hat sie zeitlebens geschmerzt und niemals überwinden können." ( In der Tat fiel diese Frau dem Vergessen anheim)

Frau Catherine Probst verstarb 1966 im Alter von 85 Jahren und wurde in der Familiengruft in Tetingen beigesetzt.

Henri Schortgen, der zweite Sohn von Jhang starb am 3. Juli 1957 im Alter von 39 Jahren.

Die Tochter Marguerite starb am 5. Dezember 1990 im Alter von 74 Jahren.


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Last updated 21 December 2008