|
Der Mann
Von Jhang Schortgen ist gewusst, der er ein einfacher schlichter Mann
gewesen ist. Sein aufrechter Gang war von langen schleppenden Schritten
gekennzeichnet, dessen Rythmus von den schlenkernden Armen unterstrichen
wurde. Schortgen war zwar leutselig, aber nicht allzu gesprächig im
Privaten und lehnte alle Geschwätzigkeit strikt ab. Doch wenn er etwas
zu sagen hatte oder zum Sprechen aufgefordert wurde, dann redete er mit
klarer deutlicher und recht warmer Stimme die es verstand, sich Gehör zu
verschaffen. Trotz seiner Kompromissbereitschaft war er eine
Kämpfernatur, immer bereit, auch die einfachsten unbequemsten Aufgaben
zu übernehmen.
Ein Karrierrist war er auch nicht. Dazu einige Sätze, die er am 21.
Dezember 1916 im Parlament sagte: "Machen sie mir keinen blauen
Dunst vor. Wenn der eine oder der andere von Ihnen für sein Mandat
fürchtet und deshalb die Regierung bei dieser Massregel nicht
unterstützen will, ich habe jedenfalls diese Furcht nicht und wenn ich
ein nächstes Mal auch nicht wieder gewählt werde, so liegt mir nichts
daran, denn ich bin nicht stolz auf mein Mandat. Ich wäre nur stolz
darauf, auch wenn ich nicht zurückkommen sollte, dass ich das
Bewusstsein hätte, der armen Bevölkerung zu ihrem Recht verholfen zu
haben."
Schortgen war ein Mann von seltenem Format, der nie den Rücken bog vor
feiler Schar. Herb, treu und wahr.
Der Gatte
Schortgen der auch im privaten Leben die Hypokrisie der bürgerlichen
Moral verachtete, lebte jahrelang in eheähnlicher Gemeinschaft mit der
aus Rümelingen stammenden Catherine Pobst. Er meinte einmal dazu: "
…man wirft mir vor eine Haushälterin zu haben. Gewiss, aber jeder Pfaffe hat
eine Haushälterin und manchmal eine bildschöne, von der es gewöhnlich
heisst, es ist meine Cousine." Und ein ander Mal: "…
ich wohnte kurze Zeit im Roesertal, von wo ich mich auf klerikalen Druck
hin ausquartieren musste." Journalisten schreiben dazu: "
Sein intimes Privatleben wurde nicht selten in den Kreis der politischen
Debatten hineingezogen und ihm eine Auslegung gegeben, die
Pfarrköchinnen gruselte." Und: "Wenn Herr
Schortgen sich eine Haushälterin hält, so heuchelt er keineswegs wie
fromme Seelen den Tugendheld und heiratet die Frau, die er sich
auserkoren hat." Laut Heiratsurkunde No -12/1915 heiratete der
35jährige Bergmann Johann Schortgen am 6. Oktober 1915 die 33jährige
Catherine Probst, gebürtig aus Rümelingen.
Der Vater
Diesbezüglich ist bei Schortgen selbst zu lesen: "Ferner
warf man mir vor, ich hätte selbst uneheliche Kinder. Ich, der ich
selbst durch die Vorurteile der heutigen Gesellschaft, grösstenteils von
pharisäerischen, heuchlerischen, frommen Verleumderseelen, bis heute am
eigenen Leibe erfahren habe, was es heisst, unehelich geboren zu sein,
würde mich schwer hüten, ein Mädchen in eine solche Lage zu setzen mit
einem Kind, ohne dass ich die Vaterschaft anerkannt hätte. Solch ein
feiger Kerl bin ich nicht. Das überlasse ich anderen." Dem
Ehepaar Schortgen-Probst wurden drei Kinder geboren. Die Tochter
Marguerite erblickte am 28. Februar 1916 in Tetingen das Licht der Welt.
Das Zwillingspaar Jean-Pierre und Henri wurden ebenfalls in Tetingen
geboren und zwar am 29. Januar 1918. Demnach knapp drei Monate vor dem
Tod des Vaters. Jhang Schortgen sah seinen Sohn Jempy im Alter von 10
Wochen sterben, knapp vor seinem eigenen Tode.
Zu seiner Familie sagte man ihm ins Grab: "Erst in den letzten
Jahren, wo Du Dir eine Familie gegründet hattest, wo Du Dir eine
liebende Frau angeschafft und Du jetzt Kinder Dein Eigen nanntest, da
hat sich Dein Dasein ein wenig erhellt und wie froh und innig klangen
Deine Worte, besonders wenn Du von Deinen Kindlein sprachst. Doch es war
Dir nicht vergönnt längere Zeit für Deine Frau und Deine Kinder leben
und schaffen zu können."
P.S.
Catherine Probst, die Witwe von Jhang Schortgen verliess mit ihren
Kindern am 2. November 1920 ihre Wohnung in Tetingen und zog nach Fels
um. Durch Vermittlung eines Freundes ihres Gatten konnte sie dort ein
bescheidenes Eigenheim erwerben. Nach den Gründen des Fortziehens aus
Tetingen später befragt, sagte Marguerite Classen-Schortgen: "
Meine Mutter wollte nicht mehr in Tetingen bleiben, wollte aber auch nicht
mehr nach Rümelingen zurück. Dafür hat es zwei Gründe gegeben: Zum einen
wollte sie etwas Abstand nehmen, denn sie war stolz auf meinen Vater,
sie war stolz darauf, dass man seiner so intensiv gedachte und ihm sogar
ein Denkmal gesetzt hatte. Zum andern war sie tief enttäuscht, ja sie
fühlte sich vom Freundes-und Bekanntenkreis meines Vaters einfach im
Stich gelassen. Das hat sie zeitlebens geschmerzt und niemals überwinden
können." ( In der Tat fiel diese Frau dem Vergessen anheim)
Frau Catherine Probst verstarb 1966 im Alter von 85 Jahren und wurde in
der Familiengruft in Tetingen beigesetzt.
Henri Schortgen, der zweite Sohn von Jhang starb am 3. Juli 1957 im
Alter von 39 Jahren.
Die Tochter Marguerite starb am 5. Dezember 1990 im Alter von 74 Jahren.
|